14.11.09

fu.

Niemand ist im Grunde allein. Es gibt ja Millionen Menschen in dieser Stadt. Man braucht nur raus gehen, durch die Tür, ab in die Arme eines Menschen. Denkste.
Das liegt viel tiefer, das Alleinsein. Auch bei Millionen Menschen in einer Stadt. Das ist so eine Art Verwurzelung des Elends in den Grundmauern des deutschen Ostens. Wir sind hier nämlich in Berlin. Und wenn ich hier eins gelernt habe dann, dass man in Berlin meistens allein ist. Und single. Single und allein. Da brat einem einer doch einen Storch. Es heißt ja immer, egal wo man hin geht und mit wem man spricht, da können die Leute aus Hamburg oder aus München kommen, aber egal mit wem man sich darüber unterhält, alle sagen: ach, ja, Berlin: das ist doch die Stadt der einsamen Herzen. Die Stadt, in der sich Topf mit Deckel paart und keiner allein daheim sitzt und denkt, er wäre ein Wock. Na sicher, denke ich dann, die Stadt der Singles, einsamen Herzen. Derer, die sich dann aus lauter Frust, weil sie feststellen, dass alle Singles auch single bleiben wollen, bei friendscout anmelden, oder solchem unsinnigen web 2.0 Gedöns. Überhaupt, was soll denn das? Ein Flirtportal mit dem Namensvetter eines Automobilportals. So weit sind wir also schon, in dieser Gesellschaft. Dass man Beziehungen mit Besitz gleichsetzt – unterbewusst zumindest. Haste was, biste was! Das sieht man doch schon an den mitleidigen Blicken, wenn man auf einer Party im Beziehungsbezirk Prenzlauer Berg nach dem eigenen Liebesleben gefragt wird und nur antworten kann, dass das Liebesleben ab und an vorbei läuft, lächelt und winkt. So ähnlich war das doch mit siebzehn noch, als man gerade den Führerschein machte und gefragt wurde, ob man zum achtzehnten Geburtstag denn von Mutti und Vati auch ein Auto geschenkt bekommt. Natürlich musste ich da mit nein antworten. Und natürlich habe ich wieder dieselben mitleidigen Blicke geerntet. Was, du hast weder Auto noch Beziehung? Das tut uns aber leid. Genau, euch tut das leid. Von wegen. Mit Hasiputzimausi an der Hand lauft ihr vor mir lang, ab und an mal ein Kuss, damit auch jeder das Luxusgut bestaunen kann. Das ist doch ekelhaft. Das ist wie ein tiefer gelegter 3er BMW, so eine Beziehung. Hauptsache Statussymbol. Als ob ich mich dadurch definieren muss. Beziehungsstatus: leck mich am Arsch!

MUSIK!

Kommentare:

  1. da darf ich doch was musikalisch passenderes vorschlagen:
    http://www.youtube.com/watch?v=CGVG3GgopCI

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  2. Frl., ich danke dir! Muss ja mal gesagt werden. Und ich hab ein bisschen gelacht. Von innen.

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  3. ein herzliches JAWOLL! zu diesen zeilen, das spricht mir aus der seele! danke für´s teilen.

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  4. Das magst du jetzt vielleicht nicht gerne hören, aber manchmal ist man auch in einer Beziehung allein, auch in einer tollen.
    Kopf hoch und wenns ganz schlimm ist, hilft Pudding mit Sahne im Bauch und Gus Backus auf den Ohren.

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  5. ich kann deine gedanken gut nachvollziehen, diese stadt ist beziehungstechnisch irgendwie komisch veranlagt. vielleicht sammeln sich die päarchen ja alle nur da im prenzl-berg, um im rest der stadt nicht wie ein fremdkörper dazustehen. denn diese erfahrung habe ich hier leider gemacht. man ist als päarchen irgendwie nicht erwünscht, und ich habe schon von vielen seiten mitbekommen, wie beziehungen nach einigen wochen in berlin zerbrochen sind (also welche die gemeinsam hergezogen sind und dann nach ein paar monaten das aus..)...das ist manchmal beängstigend. finde ich.

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